100 Tage Sommermagie: Wie ich einen fotografischen Marathon geschafft habe

Hinweis: Dieser Beitrag ist ursprünglich am 18.09.2025 erschienen.

Schon letztes Jahr hatte ich die Foto-Challenge „100 Tage Sommer“ vom InspiraLab fasziniert beobachtet – dieses Jahr habe ich selbst mitgemacht.

Das InspiraLab ist ein Kollektiv der beiden Fotografinnen Eva Radünzel und Sonja Stich, die sich der kreativen Fotografie verschrieben haben und regelmäßig Workshops und Retreats anbieten. Ihr Foto-Challenge-Konzept ist eigentlich ganz simpel: Ab dem 1. Juni gibt es für jeden Tag einen bestimmten Begriff, den alle Teilnehmenden fotografisch interpretieren können – und das 100 Tage lang bis Anfang September.

Ich habe länger überlegt, ob ich es versuche, denn 100 Tage lang jeden Tag ein bestimmtes Thema fotografisch zu interpretieren ist schon eine Herausforderung. Ich habe mir dann gedacht, ich versuche es einfach und wenn es aus irgendwelchen Gründen mal nicht klappt, ist es eben so.

In diesem Blogartikel siehst du einige der entstandenen Bilder und erfährst, wie es mir mit der Challenge ergangen ist.

Warum ich mich dann doch getraut habe

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
neugieriges Gelb
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Gischtgeflüster

Warum ich entschieden habe, mitzumachen? Ich wollte herausfinden, ob genug Kreativität in mir steckt, um diesen Marathon durchzuhalten.

Dabei habe ich mir selbst die Regel auferlegt, den Begriff wirklich nur an dem Tag zu interpretieren, an dem er gedacht war. Also nicht am nächsten Tag einen neuen Versuch zu starten und auch kein bereits entstandenes Foto zu nutzen, auch wenn es vielleicht passen würde.

Ich wollte mich also maximal selbst herausfordern.

Außerdem hatte ich schon vor dem ersten Tag eine ganz konkrete Vorstellung von dem Fotobuch, das ich mir am Ende selbst schenken will. Daher wusste ich, dass ich nur im Hochformat fotografieren werde. Scheinbar noch eine kleine selbst auferlegte Einschränkung – in Wahrheit eine Erleichterung, denn dadurch musste ich diese Entscheidung zumindest nicht jeden Tag neu treffen.

Die ersten Tage: Geschärfte Sinne und neue Perspektiven

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Flutsaum
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Trübsand

Was ich schon nach zwei, drei Tagen gemerkt habe: meine Sinne sind unglaublich geschärft worden. Ich habe meine gewohnte Umgebung viel achtsamer wahrgenommen, weil ich ständig nach Wegen gesucht habe, den Tagesbegriff zu interpretieren.

Diese tägliche kreative Übung hat mich völlig begeistert – so viel Freude hatte ich gar nicht erwartet. Das Experimentieren mit verschiedenen fotografischen Techniken hat mir besonders viel Spaß gemacht: Langzeitbelichtung, bewusste Unschärfe und manueller Fokus, Doppelbelichtung bereits in der Kamera (nicht erst nachträglich mit Photoshop), ICM (Intentional Camera Movement).

Das sind alles Techniken, die ich zwar schon mal benutzt hatte, aber es kam eher selten vor. Während der Challenge habe ich diese verschiedenen Techniken umso mehr geschätzt, weil sie es mir teils einfacher gemacht haben, abstrakte Begriffe und meine Gefühle dazu fotografisch auszudrücken.

Mehr als nur eine Challenge: Ein persönliches fotografisches Essay

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Freudenblau
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
springende Sehnsucht

Ich würde sagen, dass diese 100 Tage Sommer ein sehr persönliches Projekt geworden sind, wie ein fotografisches Essay hat es sich angefühlt. Damit hatte ich vorher nicht gerechnet. Dabei hätte mir das eigentlich klar sein können, denn immerhin geht es um meine ganz eigene subjektive Wahrnehmung der Welt – geschärft durch einen täglichen Begriff, der wie ein Filter fungiert hat.

Während der Challenge wurde es ein kleines Ritual für mich, kurz vorm Schlafengehen über den Begriff des Folgetages nachzudenken. Obwohl ich eigentlich genug andere Dinge zu tun hatte, habe ich es am nächsten Tag umso mehr genossen, mir bewusst eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um mich kreativ auszutoben und den Tagesbegriff fotografisch umzusetzen.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich sehr viele der entstandenen Fotos ohne den dazugehörigen Begriff so nie gemacht hätte. Vielleicht hat mich dieser kreative Marathon deshalb so glücklich gemacht.

Netter Nebeneffekt: Ich habe sehr einfache „Doppelbelichtungen“ mit Photoshop gelernt und mag es inzwischen als Stilmittel für abstrakte Ideen – die ich zugegeben sonst eher nicht fotografiere.

Die Herausforderung im Urlaub

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
surrealer Spaziergang
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Wortgirlanden

Die letzten zwei Wochen der Challenge war ich im Urlaub. Da gab es so viele andere Eindrücke und Dinge zu sehen, dass ich mich mehr aufs Dokumentieren unserer Zeit konzentriert und weniger kreativ fotografiert habe. Interessanterweise fand ich die Challenge daher im Urlaub schwieriger als hier zu Hause, wo mir meine Umgebung vertraut ist.

Während des Urlaubs ist mir die tägliche Foto-Mission auch tatsächlich mehrfach aus dem Hinterstübchen verschwunden und einen Tag hatte ich es fast komplett vergessen. Für mich persönlich waren die 100 Tage Sommer also ein wundervolles Mittel, meinen Alltag mit anderen Augen zu betrachten. Im Urlaub, wo ohnehin schon die Sinne überladen sind mit neuen Eindrücken, habe ich die Challenge fast eher als Last empfunden.

Mission erfüllt: 100 Tage Sommermagie

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Betontanz
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Rollmops

Der 8. September war gekommen und ich habe keinen einzigen Tag verpasst – ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass ich das schaffe. Ein bisschen stolz auf mich selbst bin ich definitiv.

An manchen Tagen hatte ich sogar zwei, drei oder noch mehr Motive gefunden. An anderen Tagen war es dafür echt tricky, weil ich trotz Brainstormings einfach keine Ideen oder Assoziationen zu einem Begriff hatte. Aber irgendwie taten sich dann doch immer reine Zufälle auf: Während ich über den Begriff nachdachte, fiel mir dann etwas ins Auge, das mich genau an den Tagesbegriff erinnerte – z. B. für „Rollmops“, als mein Garn-Knäuel beim Stricken weggerollt war.

Was sich in meiner Fotografie verändert hat

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Lichtspieleuphorie
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Paradiesvogel

Würde ich rückblickend sagen, dass sich meine Fotografie verändert hat? Ja, ein bisschen schon, denke ich. Ich habe mehr experimentiert, neue Techniken ausprobiert und sogar mein Standard-Preset angepasst. Ich kann aber auch sagen, dass ich es wesentlich einfacher finde, experimenteller zu fotografieren, wenn ich mir bewusst Zeit für ein einzelnes Motiv nehme.

Ich habe mich auch tatsächlich selbst mehr vor die Kamera gestellt als ich normalerweise gern tue. Es hatte irgendwie was Heilsames an sich, mich selbst zu zeigen. Ich habe ein wenig mehr Selbstakzeptanz entwickelt während dieser 100 Tage, glaube ich.

Über den Prozess und das Ergebnis

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Nachtschrei
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
komischer Stil

Als ich letzte Woche das fertige Fotobuch bestellt habe, ist mir Folgendes aufgefallen: Ich habe den gesamten Prozess des Fotografierens, der Bildbearbeitung und der Gestaltung des Fotobuchs unglaublich genossen. Aber jetzt, wo alles vorbei ist, wird mir wieder bewusst, dass für mich dieser Prozess sogar noch wichtiger ist als das fertige Fotobuch.

Ich meine, das Fotobuch ist natürlich ein wundervolles Geschenk an mich selbst und ich liebe das haptische Gefühl, physische Fotos in den Händen zu halten statt sie nur auf dem Bildschirm zu betrachten (mehr gedruckte Fotos ist mein Credo!). Trotzdem ist es jetzt vorbei und das hinterlässt bei mir fast eine Art Leere.

Vielleicht geht es allen Menschen so, die etwas erschaffen und dann fertig sind?

Was bleibt: Geschärfte Wahrnehmung für den Alltag

the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Zauberhimmel
the family lens Berlin, 100 Tage Sommermagie
Alltagsphantasie

Insgesamt ist die 100-Tage-Challenge eine wundervolle Erfahrung gewesen und ich bin so froh, dass ich mich entschieden habe, dieses Jahr mitzumachen. Es hat den Sommer wirklich ein bisschen magischer gemacht.

Als dokumentarische Familienfotografin weiß ich, wie wichtig es ist, die besonderen Momente im Alltäglichen zu entdecken. Diese Challenge hat mir gezeigt, dass diese Fähigkeit wie ein Muskel ist – je mehr man sie trainiert, desto stärker wird sie. Diese geschärfte Wahrnehmung und der spielerische Umgang mit verschiedenen Techniken fließen hoffentlich auch in meine Arbeit mit Familien ein – denn auch dort geht es darum, die Magie in den alltäglichen Momenten zu finden.

Ein großes Dankeschön geht raus an Eva Radünzel und Sonja Stich für 100 Tage Sommermagie – und dafür, dass sie mir gezeigt haben, wie bereichernd es sein kann, täglich neue Perspektiven zu suchen.

Neugierig geworden? Hier findest du weitere Einblicke in meine fotografische Arbeit und mein Portfolio. Wenn du Lust auf ein persönliches Gespräch über Fotografie oder auf deine individuelle Familienreportage in Berlin hast, schreib mir einfach!

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